Opatz Consulting

6-3-5 Methode

Die 6-3-5 Methode ist eine strukturierte Kreativtechnik, bei der sechs Personen jeweils drei Ideen entwickeln und diese in fünf Runden schriftlich weiterreichen. Sie eignet sich für die schnelle Ideengenerierung in frühen Projektphasen und fördert kollektives Denken ohne dominante Einzelstimmen. In kurzer Zeit entstehen viele Ideen als Grundlage für Anforderungen, Lösungsansätze oder Konzepte.

Teilnehmer: 6 Personen

Dauer: 30-60 Minuten

Phase der Softwareentwicklung: Planung, Analyse, Design

Tags: Ideenfindung, Brainwriting, Kreativität, stille Kommunikation

Materialien

  • Arbeitsblätter — Vorgedruckte Tabellen mit sechs Zeilen und drei Spalten, eine pro teilnehmender Person, zur schriftlichen Erfassung der Ideen in jeder Runde des Verfahrens.

  • Stifte — Für jede teilnehmende Person ein Schreibgerät zur zügigen und leserlichen Dokumentation der eigenen Ideen während der einzelnen Runden des Ablaufs.

  • Zeitanzeige — Eine gut sichtbare Uhr oder ein Timer, mit dem die einzelnen Zeitboxen der Runden für alle Beteiligten nachvollziehbar begrenzt werden.

Anleitung

  1. Rahmen und Frage klären Vorbereitung

    Vor der Session wird das zentrale Thema oder die Fragestellung klar formuliert und gut sichtbar platziert, etwa auf einem Whiteboard oder in einem geteilten Dokument. Jede teilnehmende Person erhält ein Arbeitsblatt mit einer Tabelle: sechs Zeilen für die Runden, drei Spalten für die Ideen. Die Fragestellung ist präzise genug, um gezielte Ideen zu ermöglichen, bleibt jedoch offen genug, um kreative Ansätze nicht einzuschränken.

  2. Erste Ideen entwickeln

    In der ersten Zeile des Arbeitsblatts notiert jede Person drei Ideen zur gestellten Frage, ohne vorherige Absprache und ohne Kommentar. Die Stille verhindert frühe Gruppendenken-Effekte und gibt jedem Gedanken Raum zur Entfaltung. Für diese erste Runde stehen in der Regel fünf bis acht Minuten zur Verfügung. Vollständige Sätze sind nicht erforderlich, Stichworte und kurze Skizzen genügen, solange die Idee nachvollziehbar bleibt.

  3. Blätter weitergeben

    Nach Ablauf der Zeit werden die Blätter im Uhrzeigersinn an die nächste Person weitergegeben. Diese liest die vorhandenen Einträge und trägt in der nächsten Zeile drei weitere Ideen ein. Dabei kann auf bestehende Ideen aufgebaut, eine Idee weiterentwickelt oder ein völlig neuer Ansatz eingebracht werden. Das Weiterreichen wiederholt sich, bis jedes Blatt von jeder Person einmal bearbeitet wurde.

  4. Runden durchlaufen

    Die Runden zwei bis fünf folgen demselben Ablauf: Blatt lesen, drei Ideen in die nächste freie Zeile eintragen, Blatt weitergeben. Mit jeder Runde wächst die Dichte der Einträge und damit auch die Inspiration für die nachfolgende Person. Die Bearbeitungszeit pro Runde kann leicht verkürzt werden, da die vorhandenen Ideen als Impulsgeber wirken und der Einstieg dadurch leichter fällt.

  5. Ideen sichten und clustern

    Nach der letzten Runde liegen alle Blätter offen aus. Die Gruppe sichtet die gesammelten Einträge gemeinsam und fasst ähnliche oder verwandte Ideen in thematischen Clustern zusammen. Doppelungen werden nicht gelöscht, sondern als Häufigkeitssignal gewertet: taucht eine Idee mehrfach auf, deutet das auf breiten Konsens oder hohe Relevanz hin. Das Clustern erfolgt visuell auf einem Whiteboard oder digital.

  6. Überführung in nächste Schritte Nachbereitung

    Die geclusterten Ideen werden dokumentiert und priorisiert, etwa per Dot Voting oder einer einfachen Bewertungsmatrix. Besonders vielversprechende Ansätze werden markiert und als Grundlage für nächste Schritte festgehalten, etwa als Anforderungen, Hypothesen oder Themen für vertiefte Workshops. Die Dokumentation erfolgt schriftlich oder digital, damit die Ergebnisse für alle Beteiligten nachvollziehbar bleiben und im weiteren Projektverlauf jederzeit abrufbar sind.