Grundlagen / Vorgehensmodelle

Grundlagen

Vorgehensmodelle

Software entsteht in Phasen, von der Planung bis zur Wartung. Was in diesen Phasen jeweils inhaltlich passiert, beschreibt der SDLC. Wie ein Team durch diese Phasen geht, in welcher Reihenfolge, wie oft wiederholt und wie viel vorab feststeht, das legt ein Vorgehensmodell fest: einmal linear und vollständig durchgeplant, einmal in kurzen, wiederholten Zyklen.

Klassisch oder agil

Die Vorgehensmodelle in dieser Übersicht lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen. Klassische Modelle planen ein Projekt weitgehend im Voraus und durchlaufen die Phasen des SDLC einmal, in klar abgegrenzten Schritten. Das macht sie berechenbar, aber auch träge gegenüber Änderungen, die erst während der Umsetzung sichtbar werden. Agile Modelle drehen das Verhältnis um: Sie durchlaufen verkürzte Versionen derselben Phasen in kurzen, wiederholten Zyklen und nehmen dafür bewusst in Kauf, dass zu Beginn nicht alles bis ins Detail feststeht.

Wie unterschiedlich sich das in der Praxis anfühlt, zeigt ein einfacher Vergleich: Zwei Teams können exakt denselben SDLC durchlaufen und trotzdem völlig unterschiedlich arbeiten. Das eine plant monatelang durch, bevor die erste Zeile Code entsteht. Das andere liefert nach zwei Wochen ein erstes nutzbares Ergebnis aus und passt den weiteren Weg laufend an. Beide durchlaufen dieselben Phasen, von der Planung bis zur Wartung, nur eben auf grundlegend verschiedene Weise.

Welche Einteilung im Einzelfall die richtige ist, hängt stark vom Projekt ab: von der Stabilität der Anforderungen, der Risikotoleranz, regulatorischen Vorgaben und nicht zuletzt von der Kultur der Organisation.

Klassisch

Klassische Modelle sind die ältesten strukturierten Vorgehensweisen der Softwareentwicklung und in regulierten oder sicherheitskritischen Umfeldern bis heute verbreitet.

  • Inkrementelles Modell: Liefert ein Projekt in funktional wachsenden Ausbaustufen aus, jede Stufe meist als eigener kleiner Durchlauf.
  • Prototyping-Modell: Klärt unklare Anforderungen über einen Zyklus aus Prototyp und Bewertung, bevor das Produkt in derselben Linie fertiggestellt wird.
  • Spiralmodell: Wiederholt mehrere Phasenzyklen risikogetrieben und kombiniert damit klassische Planung mit iterativem Vorgehen.
  • V-Modell: Stellt jeder Entwicklungsphase eine passende Testphase gegenüber und ist in Deutschland als Standard für öffentliche IT-Projekte verankert.
  • Wasserfallmodell: Das bekannteste klassische Modell, lineare Abfolge fest abgegrenzter Phasen ohne planmäßige Rücksprünge.

Agil

Agile Modelle setzen die im Agilen Manifest formulierten Werte auf unterschiedliche Weise in konkrete Praxis um, mit eigenen Rollen, Ritualen und Regeln.

  • Adaptive Software Development: Historische Vorstufe von Scrum und XP, mit einem Zyklus aus Spekulieren, Zusammenarbeiten und Lernen.
  • Crystal: Eine Familie leichtgewichtiger Methoden, die sich nach Teamgröße und Projektkritikalität richtet.
  • DSDM: Einer der ursprünglichen Unterzeichner-Ansätze des Agilen Manifests, mit starkem Fokus auf feste Zeit- und Budgetrahmen.
  • Extreme Programming: Rückt technische Praktiken wie Pair Programming und testgetriebene Entwicklung in den Mittelpunkt.
  • Feature-Driven Development: Plant und liefert Software entlang konkreter, fachlich greifbarer Features.
  • Kanban: Visualisiert Arbeit auf einem Board und begrenzt laufende Arbeit, ganz ohne feste Sprints oder Rollen.
  • Lean Software Development: Überträgt Prinzipien der schlanken Produktion, etwa Verschwendung vermeiden, auf die Softwareentwicklung.
  • Scrum: Das mit Abstand am weitesten verbreitete agile Rahmenwerk, mit festen Rollen, Events und zeitlich begrenzten Sprints.
  • Scrumban: Verbindet die Struktur von Scrum mit dem kontinuierlichen Fluss von Kanban.

Die einzelnen Modellseiten gehen jeweils genauer auf Herkunft, Ablauf und typischen Einsatzkontext ein. Nutze sie, um dich gezielt in ein Modell einzulesen, oder um dir einen Überblick über die Bandbreite unterschiedlicher Vorgehensmodelle zu verschaffen.