Vorgehensmodelle / Spiralmodell

Vorgehensmodelle

Spiralmodell

Das Spiralmodell verbindet die strukturierte Planung klassischer Modelle wie des Wasserfallmodells mit der Offenheit iterativer Ansätze. Statt die SDLC-Phasen einmal linear zu durchlaufen, wiederholt es einen festen Vier-Schritte-Zyklus mehrfach, wobei jeder Durchlauf mehr Umfang, mehr Erkenntnis und auch mehr investierte Kosten abbildet. Namensgebend ist die Vorstellung einer sich nach außen windenden Spirale: Je weiter ein Zyklus vom Zentrum entfernt liegt, desto größer der bisher investierte Aufwand und desto konkreter das entstehende Produkt.

Herkunft

Das Spiralmodell geht auf einen Aufsatz von Barry Boehm aus dem Jahr 1986 zurück, „A Spiral Model of Software Development and Enhancement“. Boehm beobachtete, dass weder starr lineare Modelle noch unkontrolliertes Prototyping großen, risikoreichen Projekten gerecht werden: Das eine blendet aufkommende Risiken zu lange aus, das andere überlässt zu viel dem Zufall. Seine Antwort war ein Modell, das Risikoanalyse explizit zum wiederkehrenden Bestandteil jedes Zyklus macht, statt sie einmalig am Projektanfang abzuhaken.

Ablauf: vier Schritte je Zyklus

Jeder Umlauf der Spirale besteht aus denselben vier Schritten:

  • Ziele ermitteln: Ziele, Alternativen und Rahmenbedingungen für diesen Zyklus werden festgelegt, aufbauend auf dem Ergebnis des vorherigen Zyklus.
  • Risikoanalyse: Die größten offenen Risiken dieses Zyklus werden identifiziert und gezielt aufgelöst, häufig durch Prototypen, Simulationen oder gezielte Machbarkeitsstudien.
  • Entwicklung und Test: Das nächste Produktinkrement wird entsprechend den geklärten Risiken gebaut und geprüft.
  • Planung des nächsten Zyklus: Das Ergebnis wird bewertet, danach fällt die Entscheidung, ob ein weiterer Zyklus folgt, das Vorgehen angepasst wird oder das Projekt hier endet.

Frühe, innenliegende Zyklen sind dabei meist noch klein und konzeptionell, etwa eine erste Machbarkeitsstudie oder ein grober Prototyp. Mit jedem weiteren, weiter außen liegenden Zyklus wächst der Umfang, bis spätere Zyklen die eigentliche Fertigstellung, Bereitstellung und Wartung abdecken, vergleichbar mit den späten Phasen des SDLC.

Wann das Spiralmodell passt

  • Große, komplexe Vorhaben: Bei denen Umfang und Risiko eines einzelnen linearen Durchlaufs kaum zu überblicken wären.
  • Hohe technische oder wirtschaftliche Unsicherheit: Wenn zentrale Fragen, etwa zu Machbarkeit oder Marktbedarf, erst schrittweise geklärt werden können.
  • Projekte mit stufenweiser Investitionsentscheidung: Wenn nach jedem Zyklus bewusst neu entschieden werden soll, ob und wie es weitergeht, statt sich vorab auf das gesamte Budget festzulegen.

Grenzen

Das Modell verlangt ausgeprägte Erfahrung im Risikomanagement. Fehlt diese, wird die Risikoanalyse schnell zur reinen Formsache, ohne echten Nutzen für die folgenden Entscheidungen. Weil die Anzahl der Zyklen zu Beginn nicht feststeht, lässt sich ein Spiralmodell-Projekt zudem schwerer im Voraus terminieren und budgetieren als ein lineares Modell. In seiner ursprünglichen, expliziten Form wird das Spiralmodell heute seltener eingesetzt, seine risikogetriebene Grundidee lebt aber in vielen moderneren iterativen Vorgehensweisen weiter.

Verwandte Modelle

Prototyping liefert eine der Techniken, mit denen das Spiralmodell in der Risikoanalyse-Phase Unsicherheiten auflöst, ohne selbst risikogetrieben zu sein. Zum Wasserfallmodell besteht der größte Unterschied darin, dass das Spiralmodell den linearen Ablauf mehrfach wiederholt, statt ihn nur einmal zu durchlaufen.